Fragulisten Frugalisten what the fuck

Ich habe gestern den Weblog Frugalisten.de entdeckt. Spannend. Es geht um ein einfaches aber glücklich erfülltes Leben mit dem zentralen Kern, ab 40 in Rente zu gehen. Auch das alte Arbeits-Schema steht auf dem Prüfstand - wow spannend dachte ich (und mache mir einen Kaffee).

Ich stöbere also fröhlich bei einer Tasse Kaffee in den vielen Artikeln des Autors...

Rente ab 40

Der Autor dieses spannenden Beitrags möchte bis zum Alter von 40 Jahren, einen erheblichen Teil seines Verdienstes sparen und anlegen, um ab 40 Jahren ein großes finanzielles Polster zu besitzen, sodas er sorglos in Rente gehen kann. Mit Hilfe einer Beispielrechnung wird gezeigt, das dies durchaus funktionieren könnte - sofern nichts dazwischen kommt.

Ein wichtiger Baustein dieser steilen These ist unter anderem auch, die Geldanlage in Immobilien oder Aktien (auch ganz neu die Idee). Bei dem die Wertschöpfung nach vielen Jahren in Form von Mieteinnahmen oder Dividenden das Leben ab 40 zum reinsten Zuckerschlecken machen sollen.

Toll dachte ich bei mir (nippe noch einen Schluck Kaffee), das da noch niemand drauf gekommen ist verwundert mich. Eine total bahnbrechende Idee, die auf dieser Welt ja noch niemand hatte. Grandios!

Übrigens... Auf dem Papier sieht mein Kontostand auch immer voll toll aus, das böse Erwachen kommt immer erst am Monatsende - so wird es sicherlich dem Autor auch ergehen, wenn er sein Monatsende mit 40 Jahren erreicht hat, vermutlich wird sogar noch ein fettes rotes Minus davor stehen.

Das kann funktionieren wenn...

  • ...der Autor niemals arbeitslos wird,
  • er keine schwere Krankheit mit teurem Reha-Anschluss bekommt,
  • er nie Arztrechnungen zahlen muss,
  • seine Frau sich niemals von ihm scheiden lässt (sind Frugalisten eigentlich verheiratet?),
  • er niemals Nachwuchs zeugt (beabsichtig oder im Suff - das arme Kind),
  • er sich niemals die Zähne machen lassen muss (ok, drauf geschissen, geht auch ohne),
  • er niemals seine Eltern pflegen muss da sie keine Pflegestufe haben,
  • er ein unglaubliches Auto fährt das quasi nicht kaputt geht,
  • und...
  • ...er noch immer noch genügend Freunde hat, die ihm die Freundschaft wegen seines Egoismus noch nicht geküdigt haben...

...ja, genau dann funktioniert die Sache!

Und (jetzt kommts) nicht zu vernachlässigen... was wenn er mit 39 Jahren plötzlich verstirbt? Dann war die ganze Scheiße total umsonst. Nix da mit Schlaraffenland und Ponnyhof ab 40... oder neee... seine hinterbliebene Frau kriegt dann die ganze Kohle (na die wird sich freuen)... obwohl... wenn sie nicht verheiratet sind, kriegt sie nichts und der Staat erbt seinen vom Munde abgehungerten Schotter - voll geil!

Da fällt mir wieder die Kirche im Mittelalter ein, die hatten auch das Credo für ein gutes Leben im Himmel, sollst du auf Erden züchtig und sparsam sein, damit man nach dem Tode im Schlaraffenland lebt. Ziel war jedoch nichts geringeres, als den einfachen Pöbel unter die Knute zu bekommen, damit er ja nicht aufmuckt, denn er will ja später ein schönes Leben haben.

Mal im ernst

Der Autor möchte dem Leser also ernsthaft verkaufen, das er von 0 bis 40 ein scheiß Leben zu führen hat, damit er ab 40 so richtig auf die Kacke hauen kann, sofern er 40 wird und noch mindestens 20 weitere Jahre etwas von seinem Erfolg hat? Ganz ehrlich? Ich halte das für fraglich damit jemanden ernsthaft locken zu können.

Ich nippe noch mal kurz an meinem Kaffee, der mittlerweile nur noch lauwarm ist... überlege gerade... mache ich mir noch einen frischen????... Ach neeee... weiter im Text...

Die Realität ist anders... wie so oft. Die Idee des Autors ist nur wenig reizvoll und auch wenig praktikabel, denn wenn dem so wäre, würden ja alle genau so leben wie er beschreibt. Folglich sagt der gesunde Menschenverstand NEIN zum Frugalismus. Zudem dürfen wir nicht vergessen, das sich die Arbeitswelt radikal umgekrempelt hat und Arbeitnehmer mittlerweile wie im Schlaraffenland leben und arbeiten können. Familie und Beruf sind super vereinbar.

ich verstehe

Was ich jedoch absolut nachvollzoehen kann ist, das es uns so scheiße gut geht, das wir alles im Überfluss haben - das kann nicht gut sein. Von diesem Luxus-Tripp müssen wir zugunsten unserer Umwelt unbedingt runter kommen.